Familie, Kolumne, Mama Monday

Glück, Unglück und etwas Bleichmittel

Ich bezeichne mich ja gerne als positive Menschen, als positiv denkende Person die sich gerne daran erinnert, dass es immer noch schlimmer sein könnte. Manchmal, ja machmal gibts aber SO REIN GAR NIX POSITIVES abzugewinnen. Und heute möchte ich von einem dieser Erlebnisse erzählen, erstens weil ich mich in ein paar Jahren daran zurück erinnern will mit dem Gedanken „so that was your biggest problem back then, really?“ und zum zweiten weil es einfach auch irgendwo zwischen der ganzen Tragik lustig ist.

Beginnen wir mal am Anfang. Mein Mann war letztes Wochenende weg, nicht beruflich sondern freizeittechnisch. Auf einer LAN-Party mit lauter anderen Männern um die 30, eigentlich zu alt fürs durchmachen, aber was solls. Besagte LAN Party fand nun also auch nachts statt (sozusagen eine Pyjama Party für Erwachsene), was wiederum bedeutete dass ich mit den drei kleinen Zwergen alleine war.

Tja, ich alleine mit drei Kids, wie soll das nur laufen? Erstaunlich ruhig, harmonisch und gut lief es. Keiner weinte, kein streit, NIX NADA!

Der Tag war so ruhig und ereignislos, dass sogar meine Eltern schon Panik hatten weil sowas gibts normal nicht. Also dass ich mich so gar nicht melde, nicht zumindest eines der Kinder „abgebe“ wenn ich alleine bin.

Aber warum sollte ich? Sie waren solche kleinen Engel, ich blind vor lauter „OMG SIE SIND SO BRAV BLEIBT DAS JETZT FÜR IMMER SO????“ Gedanken.

Also tat ich etwas, wa sich sonst nicht tue (also nicht wenn ich weiß, ich bin alleine mit den Kids für 24h+) – ich färbte mir die Haare. Strähnen genauer gesagt. Weil ich wollte die Zeit nutzen, sowas kommt ja nicht alle Tage, dass die so brav sind und wir so so so gut harmonieren. Und selbst während dieser Prozedur, Strähnen ziehen und blondieren – es war alles ruhig. Und wer Strähnen macht, weiß wie lang das dauert.

Als die Farbe dann kesse 4 Minuten oben war, passierte es. Wir waren alle im Wohnzimmer – der große Bub hat gerade den kleinen Bub bespaßt – stürzte Em. Unglücklich, und fiel auf den kleinsten Ladengriff EVER

Tränen, Geschrei – sie verzog sich in ihr Zimmer und als sie nach 2 Minuten noch immer weinte rief ich sie (sie beruhigt sich sonst sehr schnell selbst und seien wir ehrlich, dreijährige fallen STÄNDIG HIN!!!) und da war es, das riesige, tiefe KAT am Kinn. Dort wo unzählige andere Kinder schon vor ihr eine Wunde hatten.

Selbst unsicher was ich nun tun soll, schickte ich erstmal an alle Profis was Verletzungen angeht Fotos – die Info die zurück kam ging von „OMG“ (danke Schatz, diese Antwort half mir sehr!!!!) bis hin zu „das muss sofort genäht werden“.

Nun wollen wir uns aber bitte zurück erinnern an die Info die ich ganz oben erwähnt hatte, ich war ALLEINE mit BLEICHMITTEL in den Haaren, einem Kind mit einer klaffenden Wunde das eine Katze hielt (HALLO BAKTERIEN!!!!!) und das Baby schrie auch aus irgendeinem unerfindlichen Grund. der Hund hatte schon den ganzen Tag Durchfall und ja, natürlich hat er dann genau wie der ganze Trubel war (und wir ignorierten, dass sie uns den Schuh brachte) auch noch in die Wohnung gemacht (WAS SONST NIE NIE NIE PASSIERT!!!!!!!!!).

Innerhalb von 15 Minuten war Friede, Freude, Eierkuchen in Blut, Scheiße und Bleiche gewichen und ich war für diesen Plot Twist nicht bereit. Nicht an einem Samstag um 19.30 Uhr. So stand ich nun da, zwischen Hundegacksi, schreiendem Baby und klein Em die meinte „Mama, dass wird schon – ich muss die Wunde nur warm machen“.

Also schnell meine Eltern anrufen, zwecks der Jungs („die Mama zieht sich schon an! Wir kommen!“), ihnen versuchen zu erklären, warten sollen weil ich meine Haare waschen muss (die andere Option möchte ich gar nicht besprechen).

Zwischenzeitlich kümmerte sich der große Bub um die Hinterlassenschaften des Hundes, Em kuschelte weiter mit der Katze als wäre nix und V lachte freudig vor sich hin (die Aussicht dass Oma kommt, hat ihn wohl erheitert).

Fünf Minuten später waren sie auch schon da, Em und ich halbwegs gekleidet und mit nassen Haaren (sie wären so so schön geworden, wenn es länger einwirken hätte dürfen!) am Weg zum Auto. Natürlich hatte ich wieder nur 15% Akku, weil ich IMMER WENN IRGENDWAS PASSIERT nur 15% Akku habe. Im Auto merkten wir dann, dass das iPad leer ist und ja, so war auch meine glorreiche Idee Em am iPad spielen zu lassen während wir warten, dahin. Aber immerhin hatte sie eine Kuscheldecke mit und ich Game of Thrones Band 2, irgendwie würden wir überleben.

Mein Papa brachte uns ins Spital, dass nur zwei U-Bahn Stationen entfernt liegt (diese Wohnung wurde ja lagetechnisch echt gut gewählt) und fuhr dann wieder nach Hause um Fußball weiter zu schauen, weil der deutsche Fußball am Samstag ist heilig!

Em und ich begaben uns daweil ins Spital, Richtung Unfallambulanz. Ein Ort den wir öfter besuchen als mir lieb war, dort angelangt war Gott sei Dank wenig los und Em schon etwas unruhig, sie wollte wissen wann sie endlich ihr Zimmer und Bett bekommen würde – die Tatsache dass sie sicher nicht dort bleiben müsste, fand sie nicht so prickelnd.

Wir waren relativ schnell dran, und das obwohl nach uns ein Kind mit gebrochenen Fuß und eines mit Platzwunde am Kopf (beide mit der Rettung) eingeliefert wurden. Hätte erwartet, dass die schneller dran kommen, aber anscheinend nicht.

Nach 30 Minuten warten wurden wir aufgerufen und schnell war klar, dass muss geklebt werden und es ist keine Platzwunde sondern eine Schnittwunde. Mir sank ja mein Herz bis in die Unterhose, denn Em ist normalerweise nicht gerade der umgänglichste kleine Mensch aber nichts da!

Sie war so tapfer! Sie durfte sich zwei Pflaster aussuchen, den Kleber (der ist übrigens LILA und schaut UUR COOL AUS!) halten und ja, auch als die Wunde gesäubert und zusammengerückt wurde, hat sie keine Miene verzogen. Meine kleine tapfere Maus!

Nach fünf Minuten war alles erledigt und ich war so erleichtert, ich hätte in Tränen ausbrechen können. Zur Belohnung gabs dann Mannerschnitten und Soletti und natürlich wurde der Papa (der irgendwo in NÖ in einem Keller saß) stolz angerufen, dass sie gereinigt wurde und geklebt und dass es ihr gut geht.

Ich war so stolz auf diese kleine Person, ich wäre als Kind nie so tapfer gewesen (es gibt ja eine Anekdote meiner Eltern, wo wir wegen eines Zeckenbisses ins Spital fuhren, weil ich mich geweigert habe die Zecke von ihnen ziehen zu lassen).

Opa hat uns natürlich wieder abgeholt, Fußball war dann auch schon aus und überhaupt würde er einfach die Wiederholung schauen. Das iPad hat er zwischenzeitlich auch geladen (so ein Service!) und ja, um 21.00 Uhr waren wir auch schon wieder daheim.

Ich um gefühlt zehn Jahre gealtert dankte meinen Eltern noch für ihren Einsatz und war unendlich dankbar, dass sie so nah wohnen. Die Jungs waren happy, V schlief schon und J war gerade dabei das letzte Würsti vom Abendessen zu verspeisen.

Alles in allem ging es gut aus, sie hat sich den Kopf nicht verletzt und es war echt ein Glück im Unglück.

Ich hätte danach übrigens ein Stamperl gebraucht, aber ich habe daraus gelernt: wenn alleine mit Kids am Besten nix machen!