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WARUM NICHT STILLEN AUCH OK IST

 Momentan wieder vermehrt in den Medien, aber vielleicht auch noch weil es mich gerade selbst betrifft, die Stilldebatte. Ein leidiges Thema. Sehr leidig. Aber weil ich mich auch gerne mit sowas rumschlage, widme ich mich heute dessen. Um Neu Mamas Mut zu machen, um schlechte Gewissen vielleicht zu lindern und um einfach meinen Senf zu dem Thema dazu zu geben.

Anfangen sollte ich wohl mit den Fakten: ich stille dieses Mal nicht. Dies hat mehrere Gründe, einer davon ist/war mein gesundheitlicher Zustand während der Schwangerschaft. Weiters die Tatsache das mir vor der Geburt aus ärztlicher Sicht (vom Frauenarzt) davon abgeraten wurde und außerdem das ich einfach keine Milch hatte. So, nun ist es raus: die Kuh aka die Neu Mama hatte keine Milch. Vom Arzt vorausgesagt, wurde ich im Spital belächelt. Ich wurde in den sieben Stunden die ich im Spital war ca. 20 Mal gefragt ob ich nicht doch stillen möchte und das von ca fünf verschiedenen Personen. Nein, ich möchte nicht. Nein, ich kann nicht. Ja, mein Baby überlebt auch so. Der psychische Druck der hier, kurz nach der Entbindung, auf einen einprallt ist nicht zu beschreiben. Ich habe Mütter gesehen die weinend in Ecken saßen, weil sie einfach nicht stillen konnten und Schwestern auf sie einredeten „aber das Kind braucht das“ „liebst du dein Kind nicht“ „willst du nicht das Beste?“. Die StillMafia oder die Still Nazis (ja, es tut mir leid, aber es ist der wohl treffenste Vergleich) sind überall. In Spitälern, in Wartezimmern, auf Spielplätzen. Witzigerweise hatte weder der Kinderarzt noch die Hebamme einwände gegen das „ich stille nicht“. Denen war das irgendwie Wurscht. Einzig und allein die Krankenschwester im Spital war irrsinnig erbost und danach auch wirklich sehr unhöflich und gemein. Da ich um 14.00 Uhr bereits entlassen wurde (Em kam um 07.09 Uhr) war mir das eigentlich recht egal, aber nur weil ich was das betrifft eine harte Schale habe, heißt das nicht, das es jede Frau so locker schluckt. Ich habe viele Freundinnen die darunter sehr litten und dadurch auch Panik vor dem zweiten Baby hatten.

So, da wir nun wissen, das viele fürs Stillen sind, möchte ich nun allen die nicht wollen, nicht können, oder einfach wissen wollen was am nicht Stillen (für mich) positiv ist, meine positiven Aspekte aufzählen:

1. Du hast deinen Körper wieder ganz für dich
Ja, 40 Wochen plus Minus sind eine lange Zeit und ja, es gibt nichts schöneres als seinen Körper wieder für sich zu haben. Egal ob die Schwangerschaft schrecklich oder ein Traum war, einfach mal nur auf sich zu achten ist toll und sollte auch genossen werden. Gerade im Wochenbett muss man Energie tanken und stillen kann einen diese wirklich kosten. Ich war nach der Geburt regelrecht happy wieder nur auf mich zu schauen, mich ganz mir zu widmen und ja, auch mal einen Tag nix zu essen.

2. Jeder kann das Baby füttern
Was eine irrsinnige Erleichterung im Alltag ist. Egal ob man wieder arbeitet, zu Hause ist, im Urlaub oder so unter Freunden. Der Partner kann auch mal in der Nacht aufstehen oder tagsüber aufpassen, Tante und Omis können hier auch noch zusätzlich Bindung aufbauen. Das Kind ist so überhaupt nicht abhängig von Mama, den die Milchbar kann jeder der ein Fläschchen halten kann übernehmen. Vor allem im Wochenbett, wo man ja meist eher geschwächt ist, aber auch beim ersten Friseurbesuch nach der Schwangerschaft den man sich unbedingt gönnen sollte, einfach toll.

3. Du rinnst nicht aus…
Dinge die einem niemand sagt: man rinnt wenn man stillt sozusagen ständig aus. Stilleinlagen sind hierbei der beste Freund, ich hab meine damals aber oft (wirklich oft vergessen). Egal ob mit oder ohne, es rinnt. Entweder weil die Brüste voll sind und das Baby gerade schläft oder aber ein fremdes Baby oder auch eine Katze schreit (true story). Ich bin nicht einmal im Kino mit nassem Top gesessen weil im Film ein Baby vorkam. 
4. Wenn das Baby alles wieder auskotzt, ist es dir Wurscht
Ehrlich, als J meine mit Liebe und viel Kraft produzierte Milch wieder auskotzte machte mich das echt fertig. 1. weil so schnell produziert man nicht nach und 2. war es ja echt viel Arbeit. Bei Em machen wir einfach ein neues Flascherl, leere Milchbar gibt’s nicht. Es ist immer genug da, es ist immer schnell fertig.

5. Du musst in der Öffentlichkeit nicht blank ziehen 
Ja, stillen ist vollkommen natürlich. Ja, es gibt Stillräume. Aber ich weiß aus Erfahrung, irgendwann kommt der Moment wo jeder Raum zu weit weg ist, dein Kind einfach Hunger hat, du rinnst wie ein Wasserfall und du drauf scheißt! Auch wenn man das nicht als negativen Aspekt des Stillens sehen sollte, es nicht tun zu müssen oder gar in die Situation zu kommen, ist ein klarer Vorteil.

6. Du kannst dein Kind wirklich überall füttern
Ja, es heißt zwar, man kann ein Kind beim Stillen überall füttern, aber wenn man es nicht tut, funktioniert das wirklich. Auto? UBahn? Kein Problem. Man muss nicht stehen bleiben und mit viel Glück ist man bevor man ankommt bereits fertig mit dem füttern.

7. Deine Nippel bleiben heil
Stillen schmerzt. Wenn auch nicht immer, wenn auch vielleicht nicht lang, aber am Anfang tut es wirklich wirklich sehr weh. Auch wenn es ein tolles Gefühl ist, einfach nur so sein Baby in der Hand zu halten und zu füttern ist genauso toll und verläuft doch meist ohne Tränen ;D

8. Du musst NIE eine Milchpumpe benutzen
Das voll erniedrigstenste am Stillen war für mich das abpumpen der Milch. Dies geschah meist wenn wir gerade allein unterwegs waren oder ich zu viel hatte und war wirklich kein Glanzmoment in meinem Leben. Ich saß am Klo im Restaurant oder Kino. Sogar im Auto musste ich zur Pumpe greifen. Leider gibts keine Alternative, denn selbst wenn es rinnt, es lindert die schmerzen nicht. Ich weiß nicht wieso, aber ich hab mich noch nie so wie ein Tier, wie eine Maschine die einfach nur dazu da ist um einen Menschen zu ernähren gefühlt. Es dauert irrsinnig lange und wenn man mal sieht, wie viel da dann raus kommt, fragt man sich ob das wirklich alles Wert war.

9. Du hast mehr Zeit
Stillen dauert. Lange. 30-40 Minuten irgendwo sitzen und ein kleines Wesen füttern kann 1. sehr langweilig sein und 2. eben viel Zeit kosten. Und ja, die gewonnene Zeit investiere ich lieber in Kuscheleinheiten mit beiden Kids, Spielen oder blödeln. Und ja, im Alltag mit zwei Kindern und Job sind 4 Stunden alleinige Fütterungszeit für ein Baby schwer unterzubringen.

10. Du kannst essen was du willst
Gerade beim Stillen muss man irrsinnig darauf achten was man isst. Zeitweise sogar noch mehr als in der Schwangerschaft. Das kleine Wesen bekommt von fast allem Blähungen. Dieser Faktor fällt total weg, ich weiß nicht ob es bei Em ein Einzelfall ist, aber sie hat fast gar keine Kolliken. J hat darunter sehr gelitten, obwohl ich extrem auf meine Ernährung geachtet habe.
Auch wenn Stillen für mich bei Baby Nr. 1 eine tolle Erfahrung war die ich nicht missen möchte, sehe ich jetzt, wo ich nicht stille, die Welt klarer. Der Alltag ist einfacher, machbarer. Man stinkt nicht nach ranziger Milch, man hat weniger Flecken auf der Kleidung. Man ist mehr eine eigenständige Person als jemand der an 60cm Baby gebunden ist. Es klingt vielleicht für viele egoistisch, aber ich bin froh, auch diese Erfahrung jetzt machen zu dürfen um einfach beide Seiten zu entdecken und zu verstehen.
Ich hoffe ich habe dadurch der einen oder anderen geholfen, habt kein schlechtes Gewissen: jedes Baby wird groß, egal ob mit oder ohne Muttermilch. Gönnt euch eine Portion Sushi und relaxt 🙂

2 thoughts on “WARUM NICHT STILLEN AUCH OK IST

  1. Liebe Jen!

    Ich finds toll, dass du über so ein umstrittenes Thema schreibst und uns die Fakten dazu am Tisch knallst! Ich finde ja, dass es jeder Mutter selbst überlassen bleibt ob sie stillt und wie lange und im übrigen auch wie sie ihr Kind auf die Welt bringen will!

    Ganz furchtbar diese Krankenschwestern – die haben einer Freundin von mir auch ein schlechtes Gewissen gemacht, weil ihr Kleiner nicht gleich getrunken hat! Pfff !!!

    Weiter so und ich freu mich über noch mehr Mamicontent auch wenn ich (noch) keine Kinder habe 🙂

    glg, Sandra

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