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Ein Schnitt ins Leben – Teil 2

Ohh, Zeit wird es für Teil 2 unseres Geburtsberichtes. Wer Teil 1 verpasst hat, kann ihn hier nachlesen um uptodate zu sein 😉

Nachdem ich im Aufwachraum allmählich wieder begann meine Füße zu spüren (wobei man hier nicht von spüren spüren sprechen kann, sondern eher von es fühlt sich an wie in Watte gepackt aber ich nehme leicht Berührungen wahr) wurde der „Transport“ nach oben in unsere neue Bleibe für die ersten paar Tage organisiert. Davor bekam ich nochmal eine Dosis Schmerzmittel, mein BFF in den ersten Stunden.

Mein Mann durfte Vincent in den Händen nach oben tragen, was ich als sehr schön empfand, mich aber auch etwas verwirrte da in den öffentlichen Spitälern immer ermahnt wurde sobald man das Baby weiter als 5m von A nach B trug. Hat vermutlich was mit der Versicherung zu tun xD ich hatte unterdessen jegliches Gefühl der Orientierung verloren und ja, war ziemlich froh dass ich dieses Mal auch geschoben wurde (ok, ich anders wäre es eh nicht gegangen :P).

G und Vincent im Aufwachraum
V im Aufwachraum – die Haarpracht und diese Ohren

Unser Zimmer lag fast direkt neben dem Kinderzimmer, ein Ort an den mein Mann und ich in den kommenden Tagen noch oft wandern würden und hatte einen eigenen Balkon sowie Bad. Ich war hierfür sehr dankbar, da ich im Spital oft panische Angst bekomme, allen voran wenn sich Fenster nicht öffnen lassen und die Option hier kurz auf den Balkon nach draußen zu können, war für mich sehr beruhigend.

Im Zimmer warteten bereits mein Mittagessen (es war 16.30 Uhr und ich hatte bis dato noch nichts gegessen), sowie zwei Stück Nachmittagsjause, die uns von der Schwester aufs Zimmer gestellt wurden.

Ich hatte weder Hunger noch Durst, wurde aber gebeten doch etwas Wasser zu trinken (war ja doch schon einige Stunden nüchtern) und siehe da, die ersten 500ml waren schneller weg als wir schauen konnten. Nachdem ich in diesem Stadium noch immer nicht soweit war mich auch nur irgendwie zu spüren, ging auch das Essen in halbsitzender Position sehr gut.

Ich habe das Mittagessen quasi verschlungen, noch nie in meinem Leben hatte ich so einen RIESIGEN Hunger, was wir daran merkten dass auch die Nachmittagsjause zur Hälfte mir zum Opfer fiel und das Abendessen, dass gleich danach geliefert wurde, von mir verschlungen wurde.

Ich habe hier wirklich versucht meinem Mann auch einen Teil übrig zu lassen, da auch er am Vormittag dass letzte Mal gegessen hatte, aber es fiel mir sichtlich schwer. Nach meinen zwei Menü’s und dem Kuchen, vielen Gläsern Wasser und einer Packung Mannerschnitten kam langsam die Erschöpfung.

Mir ging es noch immer gut, schmerzfrei und glücklich, jedoch wusste ich nicht wie lang dieser Zustand anhalten würde, da ich vor der OP, der Narbe und der Heilung riesigen Respekt (und noch immer habe) hatte.

Unser Zimmer und das unbequemste Bett aller Zeiten

Immer wieder kamen verschiedenste Personen ins Zimmer, eine Kinderkrankenschwester die kurz nachdem Baby schaute, uns zeigte wo alles war, da das Zimmer über einen eigenen Wickeltisch inkl. Windelvorrat, Feuchttücher, Stoffwindeln und Kleidung verfügte (quasi ALLES was man so braucht), und wissen wollte ob sie uns helfen könnte (nachdem es das dritte Baby ist, eher nicht so, aber wir waren für alle Tipps offen).

Während all dessen wurde so viel gekuschelt und gestaunt, Vincent’s Haare waren viel länger und dunkler als ich es je vermutet hätte. Er sah aus wie seine Geschwister und nicht nur ein DeJaVu machte sich in mir breit. Die Mimik, die kleinen Hände, die Augen – alles so vertraut und doch ein bisschen anders.

Was mir etwas zu schaffen machte war, dass ich mich nicht wirklich selbst um ihn kümmern konnte. Mir fehlte die Kraft in der Leisten Gegend dass ich in ohne fremde Hilfe wirklich bewegen konnte im Bett und auch wickeln ging am ersten Tag gar nicht, da ich ans Bett gefesselt war. Dadurch sah ich erst am zweiten Tag seine süßen Beinchen, was mich dann etwas traurig machte (hallo Hormone!).

Wir hatten mit ABSICHT kein Familienzimmer, da mein Mann nachts zu Hause war wegen den Tieren und auch damit keines der anderen Kinder in Versuchung kommt bei mir schlafen zu wollen 😛

Tagsüber pendelte er jeden Tag hin und her, organisierte dazwischen dass die Kinder mich besuchen konnten, besorgte etwaige Dinge die ich vergessen hatte und war wirklich gefordert. Wofür ich dankbar bin, denn so eine Geburt ist auch für den Partner nervlich sehr belastend und ich merke hier bei meinem Mann immer erst, wenn wir wieder zu Hause sind, dass diese Last von ihm abfällt und er wieder entspannen kann.

Am ersten Tag lag ich also quasi nur „faul“ rum, denn obwohl mich die Hebamme zum aufstehen bewegen wollte, ermahnte mich meine Ärztin es erst nachdem Frühstück zu probieren und mir diesen Tag „Ruhe“ zu gönnen – und recht hatte sie. Der Körper braucht die Ruhe, die Schonung. Ein Kaiserschnitt ist keine kleine OP. Es wird die Bauchdecke aufgetrennt, inklusiver aller Schichten. Und auch wenn die Narbe seehehr klein ist, und jetzt kaum noch sichtbar, so merke ich auch jetzt noch wenn ich zu schwer hebe dass hier eine größere Wunde heilen muss.

Den ersten Vorabend verbrachten wir also alleine, zu dritt. Ich wollte am ersten Tag keinen Besuch, da ich Panik hatte das mein ganzer Zustand irgendwann „kippt“, ich vor Erschöpfung einschlafe oder doch die Schmerzen schlimmer werden. So sollte mich keiner sehen und ich wollte auch niemanden sehen.

Mein Mann blieb bis etwa 20.30 Uhr und dann verabschiedete ich mich von Vincent und ihn.

Die erste Nacht verbrachte Vincent im Kinderzimmer bei den Schwestern, mir wurde zur Beruhigung etwas Medizin zum einschlafen verabreicht (was nix gebracht hat, ich war in der Nacht ca. 8x wach). Auch wenn ich hormonbedingt mir danach sehr oft vorwürfe gemacht habe (dass und das mit dem Stillen haben mich gekillt), war es die richtige Entscheidung. Die Ruhe war wichtig und die Tatsache, dass ich ihn nicht mal alleine von A nach B drehen konnte, war einfach ein No Go für eine Nacht alleine mit Baby. Und ja, mein Mann hätte da bleiben können, aber auch er brauchte nach diesem langen Tag seine Ruhe und Kraft für den neuen Tag und unsere anderen Kinder.

Wäre Vincent unser erstes Kind gewesen, hätte ich ihn hier sicher nicht aus der Hand gegeben. Darauf beharrt, dass er bei uns bleibt. Aber ich bin gereift und weiß, dass das Wohl der Mutter sehr sehr wichtig ist, für das Wohl des Kindes/der Kinder.


Die Ruhe im Zimmer war ungewohnt, ich war erschöpft aber nicht wirklich müde, konnte mich nicht bewegen und hatte Angst vor dem Moment an dem die Schmerzen „einsetzen“. Dieser Moment kam aber nicht. Meine Ärztin hat die Schmerzmittel so gut dosiert, dass ich ich aufgrund der Narbe keinerlei wirklichen Schmerzen hatte.

Der Tipp: den Schmerz gar nicht erst kommen lassen, sobald man ihn auf einer Skala von 1 bis 10 bei 1 spürt, Infusion holen. Ein Tipp den ich heute übrigens noch immer so handhabe.

Die erste Nacht war geschafft, nun ging es daran das Tagesziel zu erreichen: aufzustehen!

Unser erster gemeinsamer Morgen

Frühmorgens gegen 7.00 Uhr war ich erwacht und nach ein paar Minuten Ruhe alleine klingelte ich schon nach meinem Zwerg (die Sehnsucht war sooo groß!), der mir prompt, schreiend eingewickelt wie ein Baguette gebracht wurde. Wir versuchten das Stillen, aber nach einer Stunde und zweimal anlegen auf jeder Seite rief ich die Schwester nach einem Fläschchen. V war so fertig mit den Nerven, hungrig und müde und meine Brüste hatten weder Vormilch noch sonst eine Art von Flüssigkeiten für ihn bereit.

In den kommenden Tagen würde ich ihn noch viel und oft anlegen, wobei mir schon in diesem Moment klar war, dass Stillen wohl dieses Mal leider nicht klappen wird.

Diese Stunde des anlegen, des schreienden Babys wird mir übrigens noch länger nachhängen, aber das wusste ich in diesem Moment noch nicht.

Ein großer Schritt! Die ersten Schritte nachdem Kaiserschnitt waren hart, vor diesem Spiegel zu stehen war so eine stolze Leistung!

Nachdem Frühstück war mein Mann auch schon da und das genau passend, denn wir wollten versuchen das erste Mal aufzustehen. Er und Vincent hatten hierfür das Zimmer verlassen, da die Schwester davor noch die Narbe begutachtete. Der Katheter wird einem erst nachdem man es einmal erfolgreich bis zum Klo geschafft hat abgenommen, tat nicht weh und war auch nicht weiter schlimm.

Endlich wieder mobil, wartete ich nur auf eines: MEINE KINDER!

Ich konnte es danach kaum erwarten herum zu schlumpfen, in die Gänge zu kommen und vor allem den Kindern endlich ihren kleinen Bruder vorzustellen. Nachdem J als Schulkind bis 15.30 Uhr Verpflichtungen hatte, war Em die Erste aus unserer Familie die Vincent kennenlernte. Lange hatten wir auf diesen Moment gewartet, gebangt, ob sie ihn den mögen würde und wie das Ganze mit der Eifersucht läuft – aber Pustekuchen. Der kleine Bruder war super süß, alles war interessant und von Eifersucht keine Spur (witzigerweise bis heute nicht!).

Auf J mussten wir bis abends warten, wo dann auch die weitere Familie eintrudelte – ja, unser zweiter Tag im Spital war ziemlich aufregend. Die Oma und Omis kamen, die Tanten und Onkel und es wurde viel gekuschelt, gelacht und geschmust.

Die Momente als die Kinder Vincent das erste Mal sahen blieben mir aber davon am meisten in Erinnerung, sie waren nun zu dritt und wir fühlten uns so vollkommen. In den kommenden Tagen hatten wir dann viel Ruhe, uns war regelrecht langweilig und mein einziges Ziel war es kräftig genug zu werden um es bis zum Aufzug zu schaffen, damit ich nach Hause kann (ja, egal wie schön das Spital ist – es ist ein Spital! und das Bett war so unbequem).

Donnerstag – das erste Mal dass ich mit V in der Hand aus dem Zimmer ging

Ich könnte euch jetzt noch viele Zeilen schreiben, über meine wirklich rasche äußerliche Heilung der Narbe, meine unsäglichen Kreuzschmerzen die zu Folge hatten dass wir am Donnerstag das Spital dann verließen – aber ich möchte diesen Beitrag mit allem positiven dieses ersten Tages stehen lassen.

All der Liebe die uns die Familie entgegen gebracht hat, all die Freundlichkeit, das Mitgefühl und die Umsorgung im Spital und auch durch meine tolle Ärztin, die ein wahrer Engel war!

Vincent’s Geburt war für mich perfekt, ein perfektes Abschluss für eine wirklich sehr schwierige Schwangerschaft und ein Start in unser Leben zu fünft! <3